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Earth hour – Licht aus ist Stromverschwendung.

März 27, 2011

Und auch im Jahre 2011 wurde die Earth hour gefeiert. Die vom WWF organisierte Stunde ohne Licht bzw. Strom ging gestern um die Welt. Der WWF hat dazu ein nettes Video produziert, untermalt mit mehr oder weniger esoterischen Pop-Klängen wird darin für die Teilnahme des einzelnen an dieser Aktion geworben. Ein Mehr für Klimaschutz soll das bringen. Einen Beitrag leisten für das Bewusstsein der einzelnen dafür, dass Strom eben nicht aus der Steckdose kommt, kurz Die Grösste Aktion für mehr Klimaschutz, die es je gab.

Sogar ein WordPress-Plugin gibt es, mit dem teilnehmende Blogs für diese Stunde abgeschaltet werden. Vielleicht schafft diese Mammut-Aktion tatsächlich mehr Bewusstsein dafür, dass Klimaschutz immer auch etwas mit persönlichem Verzicht zu tun hat. Dass Strom eben nicht aus der Steckdose kommt, sondern im Endeffekt hauptsächlich aus den Ressourcen unserer Erde.

Was der WWF bei seiner symbolischen Aktion aber nicht zu bedenken scheint, ist die sehr hohe Belastung der Kraftwerke, die bei einem nationalen/globalen Abschalten der Stromverbraucher entstehen. Kraftwerke lassen sich häufig eben nicht mal eben „ausschalten“. Insbesondere Atomkraftwerke produzieren immer. Normalerweise werden diese Kraftwerke dazu verwendet eine gewissen Grundlast (base load) zur Verfügung zu stellen, die Tag und Nacht immer gleich benötigt wird. Ich habe mal versucht das in einem kleinen Bild zu verdeutlichen. Die jeweils veranschlagten Mengen sind dabei angenommen – hier soll nur das Prinzip verdeutlicht werden:

Schichtmodell Strombedarf und Stromerzeugung
Schichtmodell Strombedarf und Stromerzeugung

Wer sich weiter dafür und für die Kritik an der Aussage, dass nur Atom-/Kohlestrom zur Deckung der Grundlast in Frage kommen interessiert, findet bei ABC Science den interessanten Artikel Busting the baseload power myth und weitere Grafiken.

Was mit obigem Modell deutlich wird: Egal auf welche Art die Versorgung der Grundlast letztlich erreicht wird, eine Abschaltung ist offensichtlich nicht vorgesehen. Bricht der Stromverbrauch jetzt unerwartet unterhalb des Offpeak Bandes (das ist i.d.R. noch etwas flexibler als das Base Band) ein, stehen die Kraftwerke vor der Herausforderung den trotzdem produzierten Strom irgendwie abzuführen.

Pumpspeicherkraftwerk Wendefurth

Pumpspeicherkraftwerk Wendefurth

Im besten Fall gelingt es, den Strom zu speichern. Dazu kann man Pumpspeicherkraftwerke nutzen: Die Turbine im Tal wird mit dem überflüssigen Strom in umgekehrter Richtung angetrieben. Sie pumpt Wasser den Berg hinauf und speichert so die Energie in einem Speichersee oben. Wenn die Lichter wieder angeschaltet werden, kann das Wasser vom See wieder nach unten fließen, es treibt die Turbine an und erzeugt so Strom. Der Wirkungsgrad liegt so ungefähr um 75%, d.h. wenn das Wasser den Berg wieder herunter fließt erzeugt die Turbine 75% des Stroms, den sie vorher fürs Hochpumpen benötigt hat. Der Rest geht hauptsächlich als Abwärme verloren.

Steht kein Pumpspeicherkraftwerk oder ähnliche Möglichkeiten zur Speicherung zur Verfügung, dann muss der Strom anders abgeführt werden. Anders heißt in dann häufig: In Form von Wärme über Kühltürme etc. Klimaschutz sieht anders aus. Zum Glück puffern die etwa 30 Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland solche Fälle meist ganz gut, so dass es wahrscheinlich nur in sehr wenigen dieser Fälle zu einem Energie-Verlust von über 25% kommt. Zumal es dank des liberalisierten Strommarktes in Europa und der dabei entstandenen Strombörsen Möglichkeiten gibt, Überlast auch ins Ausland abzuführen und dort zu speichern. Das ist übrigens der Mechanismus, der dem Phänomen der negativen Strompreise an den Strombörsen zugrunde liegt: Manchmal muss eben dafür bezahlt werden, dass die Überlast abgenommen wird und dann verdient der Betreiber eines Pumpspeicherkraftwerkes doppelt: Einmal wenn er den Strom abnimmt und speichert und dann noch einmal wenn er den Strom zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgibt.

Energielabel

Energielabel

Zurück zur Earth hour: Abschalten bring also bei  unserem aktuellen Modell nichts außer kurzfristige Verluste in Höhe von 25% der nicht abgefragten Energie. Da ist es deutlich logischer anstatt einer einmal im Jahr durchgeführten, symbolischen Aktion bei der auch noch Energie sinnlos vernichtet und damit das Klima belastet wird, die Lichter angeschaltet zu lassen und langfristig in effizientere Technologien zu investieren. Warum wird zum Beispiel der Eiffelturm denn immer noch mit konventionellen Glühbirnen beleuchtet (Energiebedarf nur für die Beleuchtung ca. 580.000 KWh/Jahr)? Warum viele öffentlichen Gebäude in Deutschland mit energieintensiven Strahlern beleuchtet? Warum brennt bei Dir zu Hause immer noch keine moderne(!) Energiesparlampe? Warum hast Du noch eine Waschmaschine mit einer Energieeffizienzklasse von B oder C? Und warum hast Du noch keinen Ökostromtarif? Hier liegen die eigentlichen Möglichkeiten für jeden einzelnen von uns langfristig den Energiebedarf in Deutschland zu senken. Wenn das geschieht, verkleinert sich auch die benötigte Grundlast und es wird weniger Strom für das Base-Band produziert.

Ein paar interessante Argumente und nachhaltigere Möglichkeiten finden sich übrigens auf der schon etwas älteren Seite Deutschland schaltet das Licht an – aber richtig! vom Aktionsbündnis Licht an – aber richtig, das unter anderem vom NABU unterstützt wird. Die Deutschlandkarte der Zeit – Wie Öko ist unser Strom? ist auch einen Besuch wert.

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