h1

Zölibat früher und heute – Wollte der Papst heiraten?

Februar 4, 2011
Petersdom im Vatikan

Petersdom

Der Begriff Zölibat ist von dem lateinischen Wort „caelebs“ abgeleitet und bedeutet ehelos oder unvermählt zu sein, als Mann. Nach einem älteren Wörterbuch aus dem Jahr 1908 ist unter caelebs umgangssprachlich im übertragenen Sinn ein Weinstock zu verstehen, an dem keine Reben gezogen werden. Interessant, wenn man das Wort Zölibat an sich betrachtet ist in diesem Zusammenhang die häufig ebenfalls umgangssprachliche Verwendung des Begriffes mit neutralem Geschlecht als „das Zölibat“.

Der Zölibat ist die kirchensprachliche Bezeichnung für die Ehelosigkeit von Priestern und Mönchen. Er wird auch in anderen Religionen praktiziert, in denen das Priesteramt eine wichtige Rolle spielt. Besondere Aufmerksamkeit wird der zölibatären Lebensweise in der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen geschenkt. Die orthodoxen Kirchen fordern die Ehelosigkeit allerdings nur von ihren Mönchen und den höheren Weihen, wie den Bischöfen. In der abendländischen Kirche hingegen ist der Zölibat für alle Priester und Angehörige eines Ordens Pflicht.

Den Zölibat gibt es länger als vermutet

Konzil von Nicäa

Konzil von Nicäa

Als Praxis ist der Zölibat bereits im 3. Jahrhundert belegt (Synode von Elvira) und wurde im 4. Jahrhundert auf dem nizäanischen Konzil zur Bedingung für das Priesteramt und seine verschiedenen Weihestufen. Papst Benedikt VIII. beschloss zusammen mit Kaiser Heinrich II. im Jahr 1022 das Eheverbot für Priester , um zu vermeiden, dass Kirchenbesitz nicht an die Kirche , sondern an die Kinder der Geistlichen vererbt würde.
Im Mittelalter wurde die Pflicht zum Zölibat nicht konsequent praktiziert. Priester durften mit Konkubinen und den gemeinsamen Kindern zusammen leben. Der Zölibat bekam aber immer stärkere Bedeutung, und wurde schließlich auf dem Konzil zu Trient im Jahre 1563 geltendes Kirchenrecht für die gesamte römisch-katholische Kirche . Auch das Volk wünschte sich ihn als Mittel gegen Korruption und Vetternwirtschaft.
Nachdem das 2. Vatikanische Konzil 1962 bis 1965 in einem Nebensatz erwähnte, dass der Zölibat nicht zum Wesen des Priestertums gehöre, entbrannte eine Diskussion, die bis heute aktuell ist.

Gründe für den Zölibat

Dämon Rübezahl

Dämon

Die ständige Verfügbarkeit des Unverheirateten für die Kirche galt lange Zeit als ein durchaus vernünftiges Argument für den Zölibat. Diese Verfügbarkeit wurde allerdings im Laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund gerückt. Ein neueres, stärkeres Argument wurde als Begründung für den Zölibat herangezogen: Die Keuschheit als Ideal sexueller Askese wurde idealisiert. Sexualität, ob praktiziert oder nicht, wurde zunehmend mit dämonischen und sündhaften Mächten in Verbindung gebracht. Enthaltsamkeit musste so geradezu zwangsläufig immer höher geschätzt werden. Der Protestantismus dagegen lehnte den Dualismus von Leib und Seele ab von rundheraus ab, da er im Neuen Testament nicht bewiesen, sondern griechischen Ursprungs sei. Ein mögliches Verfügbarkeitsargument wurde hier gar nicht mehr bemüht. Der häufig beklagte Priestermangel, wird übrigens hin und wieder als ein Grund dafür genannt, den Zölibat zu erhalten, Dr. phil., Dipl.-Ing., M.A. Josef Bordat erkennt in seinem Artikel zur Christenverfolgung soagar den Zölibat als die hohe Kunst der „freiwillige[n] Selbstbeschränkung aus religiösen Gründen„.

Kritik am Zölibat

Kritiker des Zölibats betonen und die Kirche bestreitet im Wesentlichen nicht, dass die Verpflichtung zur Ehelosigkeit mit der Bibel nicht zu belegen sei. Entsprechende Stellen in der Bibel lassen sich, wenn überhaupt als Erzählungen über freiwillig eingegangene zölibatere Lebensweisen betrachten. Eine Verpflichtung zur Enthaltsamkeit lässt sich nicht ableiten, zumal sich auch in der Bibel Hinweise auf verheiratete Geistliche finden lässt. Die Kritiker betrachten es als völlig absurd, die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen konkurrierend zu betrachten und einander entgegen zu setzen (sehr schön aufgegriffen übrigens von glaubereal). Psychologen warnen, dass die Männer, die sich mit dem Zölibat nicht abfinden könnten, einsam seien und dadurch zu Sucht und Depressionen neigten. Viele Länder haben Schwierigkeiten mit der sinkenden Zahl ihrer Priester . Wegen dieses Personalmangels fallen in zahlreichen Gemeinden die Eucharistiefeiern am Sonntag aus. Der Priestermangel wurde gerade in der katholischen Kirche immer wieder diskutiert, aber der Zölibat wird noch immer als ein unschätzbarer Wert für die lateinische Kirche angesehen. Kardinal Meisner erklärte 2009 in einem Hirtenbrief, der Zölibat sei ein Lebensstil, der für die moderne Gesellschaft ein heilsames Zeichen sei.

Das immer wieder gern heran gezogene Argument, zölibatäres Leben würde Menschen mit perverser Sexualität anlocken, ist überzogen und nicht wirklich belegt. Es wirkt aber durchaus wie ein Schutzwall für Menschen, die sich über Ihre Sexualität nicht im klaren und damit sexuell unreifer sind. Patrik Schwarz kommt in seinem Artikel „Meine Sexualität ist eine Grauzone“ vom 12.02.2010 in der Wochenzeitung Die Zeit durchaus zu dem  Schluss, dass diese sexuell unreifen Menschen eher zu Missbrauchstaten neigen. Aber daraus ist eben nur ableitbar, dass einem schlecht verstandenen Zölibat eine Mitschuld am Missbrauch nicht abgesprochen werden kann. Darüber hinaus gilt generell leider: Menschen mit krankhafter Sexualität treiben ihr Unwesen überall, in der Familie, der Nachbarschaft oder im Berufsleben.

In der heutigen Zeit muss die Frage lebensnah diskutiert werden, ob verheiratete Priester für die Gemeinden nicht eher ein Segen sind als eine Belastung für die Kirche . Neben dem persönlichen Gewinn für jeden Priester ist es sicher so, dass sich Priester mit einer eigenen Familie vermutlich lebensnaher und feinfühliger auf die Aufgaben der Seelsorge konzentrieren können als allein stehende Männer. In den 1970er Jahren war Papst Benedikt XVI als Joseph Ratzinger im Bund mit 8 weiteren Thelogen an einem Memorandum beteiligt, in dem die Überprüfung des zölibatären Lebensstiles von Priestern durch die deutschen Bischöfe gefordert wurde. Ob er sich in seinem Amt als Papst an diese Forderung aus jüngeren Tagen gerne zurück erinnert? Aber vielleicht sind die Debatten um den Zölibat heute ein Medienphänomen? Thomas Matterne erkennt in seinem Artikel Der Zölibats-Fetsich, dass die Debatte um den Zölibat häufig von den extremen Rändern aus geführt wird, die eine mittlere Position zwischen sich aufreiben und die Vielfalt innerhalb der katholischen Kirche gefährden.

Viele gute und intelligente Theologen und Priester sind sich heute darüber einig, dass der Zölibat kein göttliches Gebot sei, sondern ein kirchliches Recht, das aufgehoben werden muss.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: