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Schäfchenfang – Missionieren an öffentlichen Schulen?

Januar 29, 2011

Das war Thema der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendevanglisation (AGJE), die am 28. Januar in Berlin stattfand (entdeckt auf blaphemieblog2). Hintergründe finden sich auf idea.de, einem christlichen Newsportal. Interessanterweise ist einer der ersten Punkte des Berichts auf idea der Hinweis von Martin Schmidt, seines Zeichens sowohl Leiter (lt. idea) einer Gesamtschule als auch der Vorsitzende des CVJM-Ortsvereins von Rechtenbach bei Wetzlar, dass Schulen sich in ihrem vorgeschriebenen Lehrangebot grundsätzlich religiös neutral geben müssen. Das bedeutet, dass religiöse Angebote für Schüler freiwillig gestaltet werden müssen. Schülerbibelkreise würden z. B. auf solch einer freiwilligen Basis oft akzeptiert. Auch müssten solche Angebote transparent angeboten werden, eine Tarnung als Hausaufgabenhilfe sei nicht zulässig.

Evangelikales arbeiten an Schulen – welchen Zweck die christlichen Organisationen damit bezwecken dürfte offensichtlich sein: den ständig schrumpfenden Mitgliederzahlen entgegenwirken und neue Schäfchen zu gewinnen. An Schulen ist für Organisationen jeglicher Ausrichtung ein attraktives Potential für formbares Nachwuchspotential vorhanden. Auch wenn sich diese Art von Lobby-Arbeit an der Zielgruppe Jugendliche und Schüler für mich kritisch anfühlt, finde ich es sehr begrüßenswert, dass die christlichen Organisationen die Grundsätze der Freiwilligkeit und Transparenz direkt ins Zentrum ihrer Arbeit stellen. Damit bleibt für alle Beteiligten die Chance, selbst zu entscheiden. Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie im Vergleich mit Gebetskreisen anderer Religionen umgegangen wird. Gibt es hier ein friedliches Neben- vielleicht sogar Miteinander, oder werden mit dem Argument der Herkunftskultur bestimmte Religionen an Schulen anders behandelt als andere?

Interessant ist neben den Inhalten der AGJE-Tagung aber auch das neu erwachte bzw. wieder eingeforderte Selbstverständnis der etablierten Kirchen. So hat, wie auf der österreichischen Seite kathweb beschrieben, der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari dazu aufgerufen, „das viele Gute in der Kirche nicht klein[zu]reden„. Wahrscheinlich spielt der Bischof damit auf die häufig als sehr positiv erlebte Gemeindearbeit an. Und in der Tat, auf dieser Ebene werden die Gläubigen sehr häufig von engagierten Pfarrerinnen und Pfarrern in einer Gemeinde eingebunden und mit positiven Erlebnissen dazu motiviert sich ebenfalls positiv für die Gesellschaft insgesamt zu betätigen. Bei aller Kritik, es gibt sie tatsächlich, die positiven Seiten der Kirchen. Und ja, vielleicht ist es an der Zeit, sich in der aktuellen, von Kritik geprägten Phase daran zu erinnern. Relativieren sollte man dabei aber auf keinen Fall.

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